Motorische Entwicklung:
Jedes Kind hat sein eigenes Tempo, aber wann sollte man genauer hinschauen?
Elternwissen
Kinder entwickeln sich nicht alle gleich.
Manche Kinder beginnen früh zu krabbeln oder zu laufen, andere brauchen dafür mehr Zeit. Manche Kinder zeigen bestimmte Entwicklungsschritte anders oder zu einem anderen Zeitpunkt. Für Eltern ist deshalb oft die Frage:
Ist mein Kind einfach noch nicht so weit oder sollte ich etwas genauer beobachten lassen?
In diesem Beitrag möchten wir erklären, worauf Eltern bei der motorischen Entwicklung grundsätzlich achten können.
Entwicklung verläuft nicht immer geradlinig
Motorische Entwicklung ist kein Ablaufplan, den jedes Kind genau gleich durchläuft.
Kinder sammeln Erfahrungen, probieren Bewegungen aus und entwickeln nach und nach neue Fähigkeiten. Dabei kann es auch Phasen geben, in denen sich scheinbar wenig verändert. Deshalb sagt ein einzelner Entwicklungsschritt oder ein bestimmter Zeitpunkt allein meist noch nicht viel über die gesamte Entwicklung eines Kindes aus.
Nicht nur schauen, was ein Kind kann
Bei der motorischen Entwicklung ist nicht nur interessant, ob ein Kind eine bestimmte Bewegung bereits ausführt. Auch die Art und Weise, wie es sich bewegt, kann für die fachliche Einschätzung interessant sein.
Zum Beispiel:
- Wie kommt ein Kind in verschiedene Positionen?
- Welche Bewegungen gelingen ihm leicht?
- Welche Bewegungen scheinen schwieriger zu sein?
- Welche Positionen nutzt es beim Spielen?
- Gibt es über längere Zeit auffällige Unterschiede in den Bewegungsmustern?
Das sind keine Fragen, die Eltern selbst diagnostisch beurteilen müssen. Sie können vielmehr helfen, alltägliche Beobachtungen zu beschreiben.
Beobachten statt vergleichen
Gerade im Kontakt mit anderen Familien entsteht schnell der Gedanke:
„Das andere Kind konnte das schon viel früher.“
Das kann verunsichern. Dabei entwickeln sich Kinder individuell. Unterschiedliche Voraussetzungen, Erfahrungen und Entwicklungsgeschichten können dabei eine Rolle spielen. Deshalb kann es hilfreicher sein, das eigene Kind über einen längeren Zeitraum zu betrachten, anstatt einzelne Entwicklungsschritte ständig mit anderen Kindern zu vergleichen.
Was Eltern im Alltag wahrnehmen können
Dafür braucht es keine speziellen Tests. Ganz alltägliche Situationen können bereits zeigen, wie sich ein Kind bewegt.
Beim Spielen können Eltern beispielsweise wahrnehmen:
Wie bewegt sich mein Kind auf dem Boden?
Wie verändert es seine Position?
Welche Bewegungen nutzt es gerne?
Was scheint ihm leichtzufallen?
Was wirkt über längere Zeit schwierig?
Dabei geht es nicht darum, das Kind ständig zu beobachten oder zu überprüfen. Es geht vielmehr darum, aufmerksam wahrzunehmen.
Wann kann es sinnvoll sein, eine Beobachtung zu besprechen?
Wenn Eltern über längere Zeit das Gefühl haben, dass sich ihr Kind motorisch deutlich anders entwickelt oder bestimmte Bewegungen besonders schwierig erscheinen, kann es sinnvoll sein, dies mit einer Fachperson zu besprechen. Bei Fragen zur motorischen Entwicklung können Eltern ihre Beobachtungen zunächst mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt besprechen. Je nach individueller Situation kann auch eine physiotherapeutische Befundung in Betracht kommen. Dabei wird nicht nur ein einzelner Entwicklungsschritt betrachtet. Entscheidend ist die individuelle Situation des Kindes.
Eine Beobachtung ist keine Diagnose
Wenn ein Kind eine bestimmte Bewegung noch nicht ausführt, bedeutet das nicht automatisch, dass eine Erkrankung oder Entwicklungsstörung vorliegt. Genauso lässt sich aus einem einzelnen Bewegungsmuster keine verlässliche Diagnose ableiten. Eine fachliche Einschätzung berücksichtigt immer mehrere Informationen und den individuellen Entwicklungsverlauf. Eltern müssen nicht selbst herausfinden, ob etwas auffällig ist.
Vielleicht ist das die wichtigste Botschaft:
Sie müssen die Entwicklung Ihres Kindes nicht selbst diagnostizieren.
Sie dürfen beobachten. Sie dürfen Fragen haben. Sie dürfen sich Unterstützung holen, wenn Sie unsicher sind.
Ihre Beobachtungen können dabei eine gute Grundlage für ein Gespräch mit einer Fachperson sein.
Hinweis
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und Orientierung. Er ersetzt keine individuelle ärztliche Untersuchung, Diagnose oder physiotherapeutische Befundung.