Muskeltonus:
Was bedeutet das eigentlich?

Elternwissen

Der Begriff Muskeltonus begegnet Eltern manchmal im Zusammenhang mit der kindlichen Entwicklung oder bei medizinischen Untersuchungen.

Vielleicht haben Sie schon einmal Begriffe wie Hypertonus, Hypotonus oder Spastik gehört. Aber was bedeuten diese Wörter eigentlich?

In diesem Beitrag erklären wir die Begriffe rund um Muskelspannung möglichst verständlich.

Was ist Muskeltonus?

Vereinfacht gesagt beschreibt der Muskeltonus die Grundspannung eines Muskels.

Unsere Muskeln sind auch dann nicht vollständig entspannt, wenn wir gerade keine bewusste Bewegung machen. Es besteht eine gewisse Grundspannung. Diese Spannung kann sich verändern, abhängig davon, was der Körper gerade tut. Beim Liegen, Sitzen, Stehen oder Bewegen sind unterschiedliche Anforderungen an die Muskulatur vorhanden.

Der Muskeltonus ist deshalb nicht immer gleich.

 

Muskeltonus und Muskelkraft sind nicht dasselbe

Diese beiden Begriffe werden leicht miteinander verwechselt.

Muskeltonus beschreibt vereinfacht die Grundspannung eines Muskels.

Muskelkraft beschreibt dagegen, wie viel Kraft ein Muskel oder eine Muskelgruppe bei einer bestimmten Bewegung entwickeln kann.

Beides hängt mit Bewegung zusammen, beschreibt aber nicht dasselbe. Ein Kind, das eine bestimmte Bewegung noch nicht ausführt, hat deshalb nicht automatisch einen bestimmten Muskeltonus.

 

Was bedeutet Hypertonus?

Hypertonus bedeutet, dass eine erhöhte Muskelspannung vorliegt.

Der Begriff beschreibt zunächst einmal eine erhöhte Spannung. Er sagt allein noch nichts über die Ursache aus. Wie sich eine erhöhte Muskelspannung zeigt und welche Bedeutung sie hat, kann unterschiedlich sein.

Deshalb sollte ein Hypertonus immer im jeweiligen Zusammenhang betrachtet werden.

Was bedeutet Hypotonus?

Hypotonus bezeichnet eine verminderte Muskelspannung.

Auch hier gilt: Der Begriff beschreibt zunächst eine Eigenschaft der Muskelspannung und nicht automatisch eine bestimmte Ursache oder Erkrankung. Eine verminderte Muskelspannung kann sich je nach Situation unterschiedlich zeigen.

Auch der Begriff Hypotonus lässt sich deshalb nicht allein anhand einer einzelnen Bewegung oder Körperhaltung beurteilen.

Was ist Spastik?

Der Begriff Spastik wird häufig gemeinsam mit dem Thema Muskeltonus genannt.

Eine Spastik ist eine Form einer erhöhten Muskelspannung, die im Zusammenhang mit einer Schädigung oder Erkrankung des Nervensystems auftreten kann. Sie kann sich unter anderem auf Bewegungen und die Beweglichkeit auswirken.

Wichtig ist dabei:

Nicht jeder erhöhte Muskeltonus ist eine Spastik. Spastik ist ein spezieller neurologischer Begriff und sollte nicht mit „verspannten Muskeln“ oder allgemein „hoher Muskelspannung“ gleichgesetzt werden.

Hypertonus, Hypotonus und Spastik – 
kurz erklärt

Muskeltonus
Grundspannung eines Muskels

Hypertonus
erhöhte Muskelspannung

Hypotonus
verminderte Muskelspannung

Spastik
ein spezieller neurologischer Begriff, der mit einer erhöhten Muskelspannung einhergehen kann

Diese Begriffe beschreiben unterschiedliche Aspekte und sollten deshalb nicht einfach gleichgesetzt werden.

Warum verändert sich Muskelspannung?

Unser Körper muss seine Muskelspannung ständig an die jeweilige Situation anpassen. Beim ruhigen Liegen sind andere Anforderungen vorhanden als beim Aufstehen, beim Halten einer Position oder bei einer Bewegung. Für Bewegungen müssen verschiedene Muskeln miteinander arbeiten und ihre Aktivität anpassen. Muskelspannung ist deshalb kein statischer Zustand. Ein Begriff allein erklärt nicht die gesamte Bewegung

Wenn in einem medizinischen Zusammenhang beispielsweise von einem erhöhten oder verminderten Muskeltonus gesprochen wird, beschreibt das nur einen Teil der körperlichen Situation.

Auch Koordination, Kraft, Beweglichkeit, Gleichgewicht und die Steuerung von Bewegungen können für die motorische Entwicklung eine Rolle spielen.

Deshalb lässt sich die Bewegung eines Kindes nicht anhand eines einzigen Merkmals vollständig beschreiben.

 

Muss man sich als Eltern mit diesen Begriffen auskennen?

Nein.

Die Begriffe können hilfreich sein, um medizinische oder fachliche Informationen besser zu verstehen. Sie sind aber nicht dafür gedacht, dass Eltern den Muskeltonus ihres Kindes anhand von Beobachtungen selbst einschätzen. Eine einzelne Haltung, Bewegung oder Situation lässt keine zuverlässige Aussage über Hypertonus, Hypotonus oder Spastik zu.

 

 

Hinweis

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und Orientierung rund um Muskeltonus und kindliche Entwicklung.

Er ersetzt keine individuelle ärztliche Untersuchung oder Diagnose.

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